Berliner Yardstick Cup auch für Einsteiger und Fahrtensegler

Auf der Unterhavel und dem Wannsee gibt es seit 1998 den „Berliner Yardstick Cup“ für Kielboote unterschiedlichen Typs. Es sind bis zu 16 Regatten im Jahr, bei denen es mal um einfache Wettfahrten an einem Sonn- oder Feiertag geht, mal um eine ganze Serie von Dreiecksregatten an einem Wochenende oder um einzelne Langstreckenwettfahrten (etwa Spandau-Potsdam und zurück) oder sogar um eine Nachtregatta.

Die Teilnehmer sind sehr gemischt: Es gibt erfahrene Crews auf modernen Sportbooten, mit Anfängern gemischte Mannschaften auf Vereinsbooten, Klassiker- und Liebhaberboote aus vergangenen Zeiten, Fahrtensegler, die sich mal messen wollen oder Segler kleiner und zum Teil exotischer Bootsklassen, denen in Berlin eine Konkurrenz aus ihrer eiggenen Klasse fehlt.

Yardstick-Regatten sind vom Ambiente und Setting her viel entspannter als etwa Ranglistenregatten von Einheitsklassen. Wer zum Beispiel keinen Spinnaker hat, obwohl dieser bei der Bootsklasse vorgesehen ist, oder etwa das Spinnakersegeln noch nicht beherrscht, meldet ohne Spinnaker und erhält dann eine Vergütung. So habe ich zum Beispiel mit meiner damals neunjährigen Tochter erstmals an einer Regatta des Yardstick-Cups oder ein andernmal mit einer unbedarften Segelanfängerin problemlos teilgenommen.

 

Beim Cup werden nach dem Yardstick-Verfahren des Deutschen Segler Verbandes (DSV) ersegelte Zeiten in berechnete Platzierungen verwandelt. Das Verfahren, das wir auch beim Fun Cup unserer Abteilung anwenden, ermöglicht, dass konstruktionsbedingt langsamere gegen schnellere Boote, größere gegen kleinere oder Zweimanncrews gegen etwa zehnköpfige Mannschaften antreten können.

Der Yardstick-Faktor, den jedes Boot nach einer Liste des DSV erhält, schafft Ausgleich und Vergleichbarkeit. So sind die berechneten Platzierungen oft nur eine Minute oder manchmal sogar nur wenige Sekunden auseinander, obwohl sich die jeweiligen Boote seit dem Start kaum noch gesehen haben und im Ziel eine halbe Stunde auseinanderlagen.

 

Der Faktor ist ein Mittelwert langjähriger Erfahrungen. Bei für ihren Bootstyp besonders günstigen Bedingungen haben die entsprechenden Boote Vorteile, andere profitieren dann von jeweils anderem Umständen. Da in die Wertung des Yardstick Cup pro Boot bis zu sechs Regatten eingehen, gleicht sich das halbwegs aus.

Ohnehin geht es bei dem ursprünglich für vereinsinterne Regatten geschaffenen Yardstick-Verfahren um eine grobe Vergleichbarkeit. Wer es hundertprozentig genau wissen will, segelt besser Wettfahrten in einer Einheitklasse. Trotzdem zeigt der Yardstick-Cup, wer schnell segeln kann. Ebenso sind die eigenen Lernfortschritte ablesbar. Und wie immer entscheidet auch eine Portion Glück mit über den Erfolg, denn wir wissen, wie schwierig die Windbedingungen auf unserem Revier sein können.

Im Jahr 2016 haben am Yardstick-Cup 244 Boote teilgenommen, d.h. sie waren bei mindestens einer der 14 durchgeführten (von 16 ausgeschriebenen) Regatten dabei. An den maximal sechs gewerteten Regatten oder mehr hahat nur ein harter Kern von 19 Booten teilgenommen. Die Platzierungen ab Rang 65 belegen nur noch Boote mit ein oder zwei Teilnahmen. Das beste Boot mit nur einer Teilnahme kam noch auf Rang 49, das beste Boot mit zwei Teilnahmen auf Rang 37 und das beste mit drei auf Rang 16.

Regatten des Yardstick Cups sind denen zu empfehlen, die bei unserem Fun Cup auf den Geschmack gekommen sind. Der Unterschied besteht darin, dass es keinen sogenannten Kanguruh-Start mit eigener Zeitnahme gibt, sondern ein von regulären Regatten her bekanntes fünfminütiges Startverfahren. Meine persönlichen Highlights sind die jährliche Nachtregatta Mitte Juni mit jeweils mehr als 40 Booten (www.60seemeilen.de), der Ringelnatz-Cup als Teamwettbewerb der Vereine am 3. Oktober mit bis zu 100 Booten und  die Langstreckenwettfahrten zum Beispiel um die Pfaueninsel.

Sven Hansen